Strukturwandel ab 1945

 

 Moerser Turnverein v. 1850 e.V.

 

Überblick zur geschichtlichen Entwicklung 


nach Ende des 2. Weltkrieges
:

 

 

Vom Turnverein zum Sportverein!

  

 

Teil 1

Der Neubeginn (1946-1965)


(
siehe auch Inhalte in: Zusatzband 2 zur Chronik Hennig)

 

 

1)Zur allg. Situation für Turnen u. Sport in Deutschland ab 1946


Die Vereine begannen sich nach Aufhebung des Versammlungsverbotes wieder neu zu formieren. Dies führte
1950 zur Gründung des Deutschen Turnerbundes (DTB) als Nachfolger für die Deutsche Turnerschaft
und zu seiner Eingliederung in den Deutschen Sportbund (DSB), der sich im gleichen Jahr ebenfalls neu organisierte.
Damit wurde der DTB aber auch, entgegen seiner überfachlichen, allgemeinen Zielsetzung, mehr oder weniger in die Reihe der Sportfachverbände eingestuft. Das bedeutete, dass der Begriff „Turnen“, von der TS definiert als Vielfalt der Körperbetätigung, in der modernen Sportwelt nun in Zukunft überwiegend als Fachschaft für Gerätturnen allg. und Turnspiele (Faustball, Völkerball, Korbball usw.) und in der Spitze für Kunstturnen verstanden wurde.

Weiter beanspruchten die Spitzenverbände der Fachschaften im Zuge größerer Spezialisierung allgemeine Autonomie für die Durchführung von Meisterschaften und das intern. Wettkampfwesen. So schloss der DTB Verträge mit verschiedenen Fachverbänden ab, die ihn befugten unter Einhaltung der offiziellen Normen auch weiterhin olympische Sportarten bei seinen Veranstaltungen mit einzubeziehen. (Bes. Leichtathletik, Schwimmen, Fechten, Handball, später Volleyball).

In den Jahren 1955-1957 wurde der Begriff des Turnerbundes „Volkstümliche Übungen“ offiziell durch „Leichtathletik“ ersetzt.

Im Frauenturnen führten die Einflüsse aus den Ostblockstaaten zunächst zu einem Beschluss der Frauenführung, die neuen Entwicklungen nicht mit zu machen und intern. Wettkämpfen mit Pflichtübungen fern zu bleiben. Das konnte aber nicht lange durchgesetzt werden und schon bald durften sich die deutschen Turnerinnen auch am intern. Geschehen beteiligen.
Seit dieser Zeit wurde im Olympischen Achtkampf bei den Frauen der Stützbarren ersetzt durch den hohen Stufenbarren, die schwingenden Ringe durch den Schwebebalken.


Für die Jugend setzte Harald Eimermacher sich als Vorreiter für ihre Eigenständigkeit ein. Als Ziele der Jugendarbeit wurden
1949 Pflege der Leibesübungen und gemeinschaftliches Gruppenleben definiert.
1953 hatte die Jugend ihr erstes eigenständiges Zeltlager beim Deutschen Turnfest in Hamburg.

1958 wurde in der neuen Jugendordnung des Turnerbundes festgelegt, dass u.a. die Jugend durch den gewählten Jugendwart und die Jugendwartin im Präsidium vertreten ist. In der seit 1960 festgelegt eigenständigen Deutschen Sportjugend wurde die Turnerjugend dann Mitglied.

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2) Ab 1945 im Moerser Turnverein: der Neubeginn

Schon im Herbst 1945, nach Kriegsende, setzen sich „alte“ Mitglieder zusammen, um den Neuanfang vorzubereiten:

1946 übernahmen Dr. Dannefelser und Ernst Mechmann den Vorsitz und brachten mit August Zöller als vorübergehenden Oberturnwart und den Frauen Grete Voorgang, Inge Nöthen, Hilde Hundelt, Hilde Dethmers den Übungsbetrieb im Esssaal des Martinstiftes wieder in Gang.
Zu ihnen gesellten sich nach Rückkehr aus der Gefangenschaft 1947 Gerd Schroer als Oberturnwart und Reinhard Dethmers als Leichtathletik- (volkstümliche Übungen) und Spielewart.

 

Aus dieser Zeit der allg. Soldatenrückkehr ist erhalten geblieben, wie eines Tages beim Jungenturnen im Martinstift ein junger Mann in alter, umgefärbter Uniform erschien, sich erst still hinsetzte und dann in voller Kleidung an das Hochreck sprang, eine Riesenfelge drehte und mit gestrecktem Salto rückwärts sicher wieder landete. Das hatten die Jungen noch nicht gesehen!
Es war Jupp Haake, der Spitzenturner früherer Jahre.

So fanden sich schnell nacheinander ca. 400 Mitglieder wieder ein. Und am ersten Deutschen Turnfest nach dem Krieg in Frankfurt 1948 nahmen wieder etwa 30 Turner/Innen teil. (Siehe Zusatzband 2)

 

Große Aufgaben

Unter der Leitung der nächsten Vorsitzenden Dr. Fabricius (1950-1953) und dann Otto Schlink (1953-1965) waren jetzt große Aufgaben zu bewältigen:

1950
die 100-Jahr-Feier als Großveranstaltung in Gemeinschaft mit der 650-Jahr-Feier der Stadt Moers und dem 1. Rhein. Turnfest in Moers. (s. Sonderband der Chronik)

1953/54
Bau und Fertigstellung von Jugendheim und Platz in den Filder Benden.

Nun konnte sich das Vereinsleben optimal entfalten. Die Vereinszeitung „Der Klimmzug“ hat ihre erste Herausgabe. Der Verein bekommt großen Zulauf.

 

Blüte der Jugendarbeit

Mit Fabricius und später Schlink standen Männer an der Spitze des Vereins, die noch sehr stark geprägt waren von der Turnbewegung und die versuchten, die Ideologie der Turner von Gemeinschaftsleben und Vielfältigkeit der Leibesübungen im MTV zu erhalten. Auch der Jugendwart, Ewald Hüsgen (ab 1949) kam aus der Tujubewegung. So ergab sich die Möglichkeit, dass mit den neuen Räumlichkeiten eine breit angelegte gemeinsame Vereinsjugendarbeit betrieben werden konnte. Volkstanz-, Laienspiel-, Musikgruppen entstanden. Das Lager- und Fahrtenleben brachte der Vereinsjugend viele gemeinsame Erlebnisse.


Als Hüsgen zur Mitarbeit im RTB berufen wurde, setzten Hans Dethmers und Lilo Biesen
die Arbeit erfolgreich fort. Jetzt wurde verwirklicht, was Paul Gericke in den 30er-Jahren versucht hatte aufzubauen. Er hatte seinerzeit aber nicht das Verständnis beim Turnrat gefunden, der die Eigeninitiative der Jugend als „Verein im Verein“ ablehnte. (s. Zusatzband 1, Protokoll aus dieser Zeit).


Im Nachhinein gesehen (anno 2005) wird es sich in dieser Zeit, die mindestens bis Ende der 50er/Anfang der 60er Jahre gedauert hat, (also mehr als 10 Jahre), um die intensivste Jugendarbeit des Gesamtvereins überhaupt gehandelt haben. Später findet die Jugendarbeit überwiegend innerhalb der einzelnen Abteilungen statt.

 

Turnen als vielfältige Leibesübung

Otto Schlink war ein leidenschaftlicher Vertreter der alten Turnerideologie. In seiner Amtszeit wurde deshalb Wert darauf gelegt, dass
alle Mitglieder auch einer Turngruppe angehörten. Aus seinen hinterlassenen Schriften, die besonders im „Klimmzug“ veröffentlicht wurden, geht hervor, dass seine Ziele der Gemeinschaftswert und der Freizeitwert des Turnens waren. Den reinen Leistungsgedanken, der später durch den fachlich spezifischen Wettkampfsport an Bedeutung gewann, lehnte er ab. Das ging so weit, dass er den Wunsch nach Gründung einer Tischtennisabteilung zwecks Teilnahme an den Rundenspielen ablehnte mit der Begründung: „Tischtennis betreibt man nur zur Unterhaltung.“ (belegt durch Sitzungsprotokoll).

 

Beginnende Entwicklung in Richtung Fachabteilungen

Trotzdem konnte nicht verhindert werden, dass sich auch im MTV langsam ein Umdenken in Richtung Fach-Abteilungen entwickelte.
Mit Günther Hennig erlebte die Handball-Abteilung einen großen Auftrieb, besonders im Schüler- und Jugendbereich. 1960 wurde zum 1.Mal das sich jährlich wiederholende Intern. Jugendhandballturnier durchgeführt.

Die Leichtathletik-Abteilung brachte eine Reihe Talente hervor, die sich bis hin zu den Deutschen Meisterschaften qualifizieren konnten.
1960 erkämpfte sich die Jugendliche Ute Stegmann(heute Fritzsche) die Teilnahme am Olympischen Jugendlager in Rom.
1964 nahm Günther Krivec als Dreispringer an den Olympischen Spielen in Tokio teil.

Besonders schnell wuchs eine Abteilung für das neu im Trend liegende Volleyballspiel, (etwa ab 1960). Die Frauenmannschaft brachte 1963 beim Deutschen Turnfest in Essen das Kunststück fertig, in der Turnfest-Meisterklasse hinter der Freiburger TS Vizemeister zu werden.
Die junge Spielerin Rike Ruschenburg gehörte sogar 1972 in München der Deutschen Olympia-Mannschaft an.

Mit Fertigstellung des Moerser Hallenbades konnte sich auch die
Schwimm-Abteilung unter Martin Demmrich stark vergrößern. (etwa ab 1962)

Schließlich übernahm auch die
Turnerinnen-Abteilung
unter Sigrun Klein die vom Leistungsturnen vorgegebene neue Stilrichtung, um an den Meisterschaftskämpfen teilnehmen zu können. (etwa ab 1963)

In diesen Jahren vergrößerte sich der Verein sehr, die Mitgliederzahl bewegte sich um 950-980. Die Zahl „1000“ konnte einmal überschritten werden.
1966 übergab Schlink an Dargatz ca. 870 Mitglieder.

 

Langsame Aufnahme auch von Zielen aus der Sportbewegung

Im Rückblick betrachtet, verschafft sich schon zum Ende der Ära Schlink auch in den MTV die neue Linie von Turnen in Richtung Sport langsam Eingang. Und als Otto Schlink sein Amt an Georg Dargatz weitergab, wurde zum ersten Mal in der Geschichte des MTV kein „Turner“ gewählt.


Der neue Vorsitzende kam von außen, ließ 1971 die Satzung nach den Richtlinien des Deutschen Sportbundes
einführen und passte das Vereinsgeschehen den aktuellen Zeitströmungen mehr und mehr an.

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Teil 2

Vom Turnverein zum Sportverein (1966-1987)


(siehe Inhalte in: Zusatzband 3 Chronik Hennig)

 

 

1) Zur allg. Situation für Turnen und Sport in Deutschland

Durch den wirtschaftlichen Aufschwung und die allg. Arbeitszeitverkürzung in Deutschland bekommt der Sport für die Freizeitgestaltung der Bevölkerung einen höheren Stellenwert. Freizeit- und Breitensport wiederum wirken sich als Basis auch auf den Leistungssport positiv aus. Aber es ist auch nötig geworden, bei Spitzensportlern Dopingkontrollen durchzuführen.

Das Profitum breitet sich immer mehr auch in Sportarten aus, die bisher bei ihren Wettkämpfen den Amateurstatus verlangten.

Der DSB bewirkt für den Freizeitsport mit der Trimmbewegung und mit Volks-Jogging eine Explosion, die sich auch im MTV bemerkbar macht. Aktionsprogramme werden zusammen mit dem Schulsport ausgearbeitet. (z.B. freiwillige Sport-AGs in den Schulen unter der Leitung von Vereinskräften, der Wettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“, staatliche Fördermaßnahmen).

Die Deutsche Sportjugend als freie, staatlich geförderte Jugendorganisation innerhalb von DSB und DTB gewinnt an Bedeutung. In vielen Vereinen kann aber die Jugendführung trotzdem noch nicht selbstständig arbeiten.

 

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2) Wandlungen innerhalb des Moerser Turnvereins in dieser Zeit


Georg Dargatz
übernahm 1966 noch einen „Turnverein“ , in dem es als selbstverständlich galt, mehrere „Turnarten“ oder „volkstümliche Übungen“ zu betreiben. Dazu gehörten auch „Turnspiele“ wie Faustball, Schlagball, Handball, und dazu gehörte auch das Schwimmen.
Die folgenden Jahre sind gekennzeichnet durch allg. Veränderungen. Es entstehen neue und eigenständige Fach- Abteilungen, die durch Sportart spezifisch ausgerichtetes Training teilweise sehr gute Leistungen bei den Sportlern erzielen. (bes. Handball, Volleyball und Leichtathletik)

Der „Turnverein“ entwickelt sich zu einem „Sportverein“, d.h.: Die turnerische Ideologie von „allseitiger Körperübung zum Dienste an der staatlichen Gemeinschaft, verbunden mit Pflege von Kultur und Bildung“, tritt in den Hintergrund. Die aus England kommende Sportbewegung, deren Ziele hauptsächlich auf Körperertüchtigung und den Leistungsvergleich ausgerichtet sind, findet immer mehr Eingang in den deutschen Sport und auch in den Moerser Turnverein. Es geht also immer mehr hauptsächlich um sportliche Leistung und Wettkampf.

Bis 1988 stieg die Mitgliederzahl auf 2000 an. Das hatte zur Folge, dass die vorhandene Platzanlage und die Dusch- und Umkleidemöglichkeiten nicht mehr ausreichten. Es wurden neue Duschanlagen auf dem Platzgelände geschaffen, der Tagesraum im Heim konnte dadurch erweitert werden. Die Erneuerung der gesamten Platzanlage wurde für spätere Jahre geplant.


Neben den „Traditionellen Sportarten“ Turnen, Leichtathletik, Schwimmen, Handball, Faustball werden in den 70er und frühen 80er-Jahren wegen großen Zulaufs neue Fach-Abteilungen gebildet.

 

Überblick hierzu:

Zuerst erleben nach der Handball- auch die Leichtathletik- sowie die Schwimm-Abteilung einen großen Aufschwung.

Bald folgt auch die Turn-Abteilung dem Trend der Spezialisierung:

Es entstehen verschiedene Abteilungen:
- „Turnen allg.“ als Breitensportabteilung und
- „Turnen weibl. und männl.“ als selbstständige Leistungsabteilungen.

1971
Bildet sich eine Volkslaufgruppe, die zeitweilig 150 Mitglieder hatte und die im Rahmen der Trimm-Bewegung immer mehr und regelmäßiger an den neu aufkommenden Volksläufen teilnimmt. Sie ruft auch den
Lauftreff in der Leucht“ am Sonntagmorgen und

1978
den Internationalen Moerser Schlossparklauf ins Leben und organisiert ihn auch viele Jahre verantwortlich.

1972
Gründung der Tischtennis-Abteilung.
Sie schließt sich 1973 dem Verband an und nimmt an den Rundenspielen teil.

1972
Sportschützen,
die 1974-1980 in ununterbrochener Reihenfolge in die nächste Klasse aufsteigen können. Diese Abteilung hält sich bis 1982 und wird dann aufgelöst.

1973
Badminton
Eintritt 1979 in den Verband und Teilnahme an den Rundenspielen. Mit Aufnahme des Badmintonspiels in den Schulsport strömt die Jugend auch in den Verein.

1974
Die Volleyball-Abteilung
bekommt durch Günther Krivec neue Impulse und bringt Leistungssteigerungen bei den Frauen-, Männer- und Mädchenmannschaften. Die 1. Herrenmannschaft stieg
1984/85 in die 2. Bundesliga auf.
Nach Meinungsverschiedenheiten mit dem Vorstand verließ Krivec mit fast allen Mannschaften den Verein und gründete den MSC, in dem später Volleyball zum Profisport wird. (siehe hierzu Artikel des Vorstandes im Klimmzug Nr.3-1985).
Die Volleyball-Abteilung des MTV formiert sich neu, nachdem sich VB-Mannschaften der SG Neukirchen-Vluyn angemeldet hatten. Im Laufe der Zeit zerfallen aber die Leistungsgruppen. Es wird nur noch Hobby-Volleyball gespielt.

1982
Im September Gründung einer Hockey-Abteilung, nachdem Hockey in den Schulen auf Initiative von Gerd Schmidt als AG angeboten und bekannt gemacht wurde.

1982
Wird auch eine Basketball-Abteilung gegründet, die ab 1983 an den Runden teilnimmt.

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Folgen für das gemeinsame Vereinsleben

Die Verlagerung der Verantwortung des Geschehens in die Abteilungen brachte mit sich, dass auch das Interesse am gemeinschaftlichen Vereinsleben mehr in die Abteilungen verlagert wurde („Vereine im Verein“).

Hinzu kommt, dass nun auch die großen Vereinspädagogen der 50er, 60er und der frühen 70er Jahre, Gerd Schroer und Reinhard Dethmers, altersbedingt ausscheiden und eine große Lücke hinterlassen. Abteilungsübergreifende Gemeinschaftsveranstaltungen finden nur noch zu besonderen Anlässen statt.

Von vielen Mitgliedern wird der Verein als eine Art Dienstleistungsbetrieb zum Erhalten der eigenen Fitness angesehen.

Auch die Jugendarbeit findet nun überwiegend innerhalb der Abteilungen statt. Eine Ausnahme ist belegt durch ein Himmelfahrtszeltlager für die gesamte Vereinsjugend 1983 unter der Leitung von der vom Vorstand als Jugendwartin eingesetzten Ute Reinemann.

An den großen, vielseitigen Jugendgruppenwettstreiten des Turnerbundes nimmt der Verein nicht mehr teil.  

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Die Leitung und Verwaltung des Großvereins wurde immer komplizierter. So führte Dargatz

 1971
eine neue Vereinssatzung

nach der Mustersatzung des Sportbundes ein. Es findet eine Umstrukturierung in der Vereinsführung statt. Ab jetzt übernimmt ein Geschäftsführender Vorstand die anfallenden Verwaltungsarbeiten, unterstützt vom Turnrat als erweitertem Vorstand. In der Geschäftsstelle können bezahlte Stundenhilfen für den Schriftverkehr zur Entlastung der Vorstandsmitglieder eingesetzt werden.

 

Die Vereinsjugend

wählt nach der der neuen Satzung ab 1971 eigentlich ihre Vertreter selbst. Die Jugend hat Sitz und Stimme im Turnrat und gibt sich
1973 auch eine Jugendordnung.
Auffällig ist aber, dass diese Jugendordnung verloren ging und dass im Klimmzug nach wie vor die Wahl einer Jugendwartin in der Mitgliederversammlung (entgegen der Satzung), erwähnt wird. Dann tauchen auch in späteren Satzungen die § 7.12 und 7.3 (ständige Bildung eines Jugendausschusses) nicht mehr auf.

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Zusammenfassung Teil 2:

In den ersten 20 Jahren unter der Leitung von Georg Dargatz beginnt die Entwicklung des MTV zu dem heute bestehenden Großverein. Der allg. Trend der Zeit zu mehr Freizeitsport wirkt sich in diesen Jahren positiv aus. Der Höhepunkt ist etwa 1995 erreicht. Die Mitgliederzahl steigt auf mehr als das Doppelte, was aber auch mit sich bringt, dass ein gewisses Abteilungsdenken entsteht. Das wird sich in späteren Jahren auch auf das Interesse der Turnratsmitglieder am Gesamtverein negativ auswirken.

 

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Teil 3

 Die Zeit des Strukturwandels (1988-1995 und 1995-2000)


(siehe Inhalte Zusatzband 3/4 Chronik Hennig)

 

1) Allg. Entwicklungen im deutschen Sportgeschehen

Es haben sich allmählich im DSB und im DTB deutlich
2 Entwicklungsrichtungen im Sport gefestigt, die bald auch als Fachgebiete wegen des immer größer werdenden Ausmaßes getrennt verwaltet werden müssen:

     A. Olympischer Sport – Leistungssport
Im leistungsbezogenen, und besonders im Spitzensport des DSB, setzt sich allgemein eine größere Spezialisierung und Differenzierung der Sportdisziplinen weiter fort
Der bezahlte Sport tritt immer mehr in den Vordergrund, was sich auch auf den unteren Ebenen bemerkbar macht. Die Medien sorgen durch ihre Berichterstattung für Interesse an den Profisportarten, nicht ohne Nachteil für den Amateurgedanken.

    B. Freizeit- und vor allem Gesundheitssport
gewinnen weiterhin an
Bedeutung. Der Bedarf an attraktiver Freizeitgestaltung steigt. Trendsportarten kommen wellenartig auf und werden massenweise betrieben, nicht ohne dass der Kommerz hier seine Chance zum Anbieten neuer Materialien und trendiger Kleidung nutzt.

Zum andern erfordern Altersstruktur und Lebensweise der Bevölkerung gezielte gesundheitsorientierte Bewegungsprogramme als Ausgleich zu dem allgemeinen Bewegungsmangel. In diesem Bereich bekommen die Sportvereine aber auch „Konkurrenz“ durch Einrichtungen wie VHS, die Begegnungsstätten von DRK, Caritas, Kirche, Altenzentren, u.a., auch,
weil dort eine bessere Vergütung der Übungsleiter erfolgt.

Bei den Menschen lässt der Wunsch nach langfristiger Vereinsbindung nach. Man sucht mehr nach der Möglichkeit, sich preiswert fit zu halten. Damit hängt auch zusammen, dass die Bereitschaft zum Ehrenamt im Verein geringer wird. Viele Aufgaben in den Vereinsleitungen müssen von bezahlten Mitarbeitern erledigt werden.

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2) Struktur- Veränderungen im Moerser Turnverein (Aera Dargatz


und Aera Kraus)

 

Mitgliederzahlen

Mit den Amtszeiten unter den beiden Vorsitzenden dieser Jahre zeichnen sich gegensätzliche Tendenzen ab:

Eine ständig ansteigende Kurve in der Mitgliederzahl bis zum Jahr 1995.
Dann fällt sie bis 2005 kontinuierlich ab:

1966 – 1995, (Amtszeit Dargatz): von 870 steigend auf 2480

1995 – 2005, (Amtszeit Kraus): von 2480 sinkend auf ca. 1470

Die abfallenden Zahlen um über 1000 in der Ära Kraus sind sicher auch darauf zurück zu führen, dass die Anzahl der Sportvereine in Moers stark zugenommen hat, dass das Gerätturnen nicht nur im MTV stark rückläufig wurde und dass sich immer mehr Fitness-Studios etablieren, viele Menschen hierher abwandern.

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Amtszeit Dargatz (bis 1995)

In den letzten 8 Jahren der Amtszeit Dargatz vollzieht sich auch im Moerser TV endgültig ein:

 

Wandel in der Vereinsstruktur:

 

- Rückgang des Gerätturnens

Das Turnen, verstanden als wettkampfmäßig betriebenes Gerätturnen, verschwindet allmählich aus dem Übungsangebot des MTV

1990 wird die letzte Mädchenriege aufgelöst
1992 folgen auch die Jungen

Von nun an werden in der Turnabteilung nur noch Gymnastik und allg. Breiten- und Gesundheitssport betrieben, überwiegend von Älteren.

Auch das zum Turnverband gehörende Faustballspiel verliert stark an Interesse .
Im Bereich Gymnastik/Tanz allerdings setzen sich die neuen Stilrichtungen Aerobic, Jazztanz und Body Fit durch.

 

- Verlagerung des Schwerpunkts auf die Mannschaftsspiele


Hockey, Handball, Badminton, Basketball, Tischtennis
erhalten großen
Zulauf.

 

1989 tritt eine Baseballabteilung dem Verein bei. (Red Barons), die sich aber 1997 wieder auflöst.

1993 gliedern sich mehrere Basketballmannschaften des aufgelösten FBC Rheinkamp in den Verein ein.

- Die Volkslauf-Initiativen des DSB  zeigen auch im MTV Wirkung:

1992 bildet sich ein ständiger Lauftreff unter der Leitung von Wolfgang Mill,

Langlaufabteilung, neben dem schon seit 1978 bestehenden

Lauftreff in der Leucht“, in Obhut der Turnabteilung Männer.

1991 lösen sich die Langläufer von der Leichtathletikabteilung und erhalten auf Beschluss der Mitgliederversammlung ihre Selbstständigkeit.

 

Die Entwicklung zum Sportverein ist endgültig vollzogen, obwohl die dem

Turnerbund gemeldeten Mitglieder immer noch den größten Anteil stellen.

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Umbau der Platzanlage

Nach langjähriger Vorbereitungszeit (etwa ab 1987/88) konnten die Bauarbeiten zur völligen Erneuerung des Platzes 1991 beginnen. Es entstand ein moderner Kunstrasenplatz, umgeben von einer Tartan-Laufbahn. (Hierzu siehe auch: Sonderband zur Chronik)

1993: Eröffnung der Platzanlage mit einem Sommerfest.

1997: Namensgebung in Georg-Dargatz-Sportstätte, anlässlich des Schlossparklaufs

Damit wurde dem Vorsitzende Georg Dargatz, der 28 Jahre die Geschicke des Vereins leitete, ein Andenken gesetzt.
Er verstarb 1995.

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1995 wird Rainer Kraus Vorsitzender

Die Handballabteilung verlässt geschlossen den Verein

Ein einschneidendes Ereignis fand 1995, im 1. Jahr unter dem Vorsitz von Rainer Kraus statt, als die ganze Handballabteilung den Verein verließ und zum MSC (Präsident: Günther Krivec) überwechselte.
Die Bemühungen, wieder die traditionsreiche MTV-Sportart neu auf zu bauen, schlugen fehl. Bis heute (2007) gibt es keinen Handball mehr im MTV.


Ab 1999
gibt es auch Sportgruppen für Diabetiker und etwas später für Lungensport

 

Besondere Ereignisse in dieser Zeit

 

1997

Namensgebung der Platzanlage in „Georg-Dargatz-Sportstätte im Rahmen des Schlossparklaufes

2000

150-Jahrfeier des Vereins mit Rheinischem Turnfest. Hierzu siehe: Sonderband zur Chronik

 

Der jährliche Internationale Schlossparklauf findet jeweils im April statt und entwickelt sich im Laufe der Zeit zu einem der beliebtesten Laufveranstaltungen seiner Art in NRW mit regelmäßig um 1000 Teilnehmer/innen. Die Organisation hat die Langlaufabteilung bis 2001.

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 Zusammenfassung Teil 3

 

Dieser Zeitabschnitt in der Geschichte des Moerser Turnvereins hat die neue Vereinsstruktur weiter gefestigt.

Das Gerätturnen hat Anfang der 90er Jahre völlig aufgehört.

Nach dem Austritt der gesamten Handballabteilung aus dem Verein werden im MTV zwei traditionelle Sportarten nicht mehr betrieben.

Ab jetzt stehen mehr im Mittelpunkt: Die Mannschaftsspiele, Leichtathletik als Wettkampfsport, Schwimmen, Langlauf als Volks(Freizeit)-sport, Triathlon und zunehmend der Gesundheitssport.

Auch in dieser Phase ist es nicht gelungen, eine eigenständige Jugendarbeit aufzubauen. Zaghafte Ansätze schliefen schnell wieder ein. Es mangelt an überzeugenden überfachlichen Führungskräften.

 

Der Verein ist endgültig ein Sportverein mit vielen Sportabteilungen geworden


Der Zusammenhalt der Abteilungen untereinander wird sehr lose.
Die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter ist mehr auf die funktionierende Arbeit innerhalb der Abteilungen gerichtet.

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Teil 4

 

Veränderungen für das Vereinsleben (2005-2016)

und

Umzug auf die modernen Sportanlagen an der Filderstraße

(siehe auch Neuordnung 2012)

 

 

Nach einer unruhigen Zeit in den letzten Jahren der Ära Kraus (1995-2005) wurde in einer

außerordentlichen Mitgliederversammlung  im Dezember 2005 ein neuer Vorstand gewählt.

 

Neuer Vorsitzender:

Andreas Stiller (Amtszeit: 2005-2016)

Dieses neue Team hatte zu Beginn seiner Amtszeit Einiges aus der Vergangenheit auf zu arbeiten:

- Zunächst galt es, wieder ein ruhiges, faires Vereinsleben herzustellen und traditionelle Projekte wieder aufleben zu lassen (Schlossparklauf, Klimmzug)

 -  Hinzu kamen etwa ab 2009 die umfangreichen Planungs- und Organisations-Arbeiten für den gemeinsamen Umzug mit dem GSV auf die neuen modernen Sportanlagen auf der Filderstraße.

Zusätzlich gab es gemeinsame Initiativen für den Gesamtverein:

 - 2010 das 160-jährige Vereinsjubiläum als sommerlicher Aktivtag aller Abteilungen auf dem alten Sportgelände am Schlosspark

- 2010/2011 wurde ein 2-jähriges Jugendprojekt "Kids and Teens" unter der Leitung des Vorstandsmitgliedes Stephan Salewski und der Vereins-Jugendvertretung mit großem Erfolg durchgeführt (siehe hierzu die Klimmzug-Sonderausgaben, Neuordnung: 2012 II 1.8.2)

 - Jetzt entstehen auch 2 neue Abteilungen:

Triathlon, sowie Hobby-und Beach-Volleyball.

Andreas Stiller beendet seine Amtszeit nach dem schrittweisen Umzug auf die neuen Sportanlagen fast gleichzeitig mit der offiziellen Übergabe an die beiden Vereine.

Damit endet auch die 65-jährige Vereinsheimat des MTV auf der "Georg-Dargatz-Sportstätte am Schlosspark.

 

Erster Vorsitzender im neuen Vereinssitz wird

Frank Reese 2016.

Damit könnte man sagen:

 

Es beginnt allgemein ein neuer Abschnitt in der Geschichte des MoerserTurnvereins

 

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Hinweise zum Aufbau der Archivordnung:

Der Zeitraum bis 2000 wurde 2002-2007 als Überblick über die Entwicklung des Gesamtvereins in der
Chronik Hennig
 
erstellt .
Danach wurden die noch vorhandenen und neu eingegangenen Dokumente in die

Neuordnung 2012

eingelegt. 
Hier gibt es jetzt die Aufteilung in Gesamtverein und Fachabteilungen.


Q
uellen: siehe Findbuch des Archivs 

                                                                                 Sigrun Klein, Archivwartin bis 2014

 

Kontakte
mit dem jeweiligen Archiv-Verwalter zur Einsicht: über die Geschäftsstelle.

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